Honorarverhandlungen mit der NÖGKK

Die Kurienversammlung der niedergelassenen Ärzte hat das Gesamtpaket der Honorarverhandlungen mit der Nö. Gebietskrankenkasse in ihrer Septembersitzung beschlossen.

Das Verhandlungsergebnis stellt sich im Detail wie folgt dar:

Verbesserungen für 2018

Für das Kalenderjahr 2018 beträgt der NÖ-Automatikfaktor 1,78 %. Beiden Vertragsparteien war es ein Anliegen, die Allgemeinmedizin und Kinder- und Jugendheilkunde wiederum aufzuwerten, zumal in diesen Bereichen die Anzahl der vakanten Stellen zunimmt und die Aufwertung der hausärztlichen Versorgung weiterhin dringend erforderlich ist. Vereinbart wurde für die Allgemeinmedizin insgesamt eine Erhöhung von 3,71 % und für die Kinder- und Jugendheilkunde ein Plus von 10,23 %.

Die übrigen Fachgruppen erhalten eine tarifwirksame Erhöhung im Ausmaß von 2,0 %, dies entspricht dem Verbraucherpreisindex für das Jahr 2018. Die Umsetzung wird in der Weise vorgenommen, dass die Laborpositionen, das EKG, die intraartikuläre Injektion in große Gelenke sowie die Mammographie nicht erhöht werden, die sich daraus ergebenden Beträge aber auf die hausärztliche bzw. kinderfachärztliche Zuschlagsposition beziehungsweise die Grundvergütung der betreffenden Fachgruppen und bei den Radiologen auf die übrigen Positionen umgelegt werden. Die Position 19 wird ebenfalls erhöht.

Insgesamt bedeutet der Abschluss für 2018 eine nachträgliche Honorarsteigerung in Höhe von 2,95 % über alle Fächer und somit eine Gesamthonorarsummensteigerung inklusive Mehrleistungen um 3,9 %. Für die SV der Bauern kommt der gleiche Modus zur Anwendung.

Verbesserungen für 2019

Für das Kalenderjahr 2019 liegt der NÖ-Automatikfaktor noch nicht vor. Dieser kann aufgrund der Wertsicherungsvereinbarung erst im Nachhinein ermittelt werden. Der Ausgangswert für diese Berechnung stellt der sogenannte Hauptverbandsfaktor dar, dieser beträgt für das Kalenderjahr 2019 2,61 %. Der NÖ-Automatikfaktor kann demnach zwischen 1,57 und 2,61 Prozentpunkten liegen. Für 2019 ist eine Inflationsrate von 1,6 % prognostiziert. Vereinbart wurde für 2019 vorab eine tarifwirksame Honorarerhöhung für alle Fächer im Ausmaß der genannten 2,61 %. Erhöht wird auch die Position 19, ärztliches Gespräch. Die Umsetzung wird in gleicher Weise wie für das Jahr 2018 vorgenommen. Für die SV der Bauern kommt der gleiche Modus zur Anwendung.

Zusätzlich besteht die Absicht, im Abschluss 2019 die Allgemeinmedizin und die Kinder- und Jugendheilkunde weiter zu stärken. Dies soll durch folgende Maßnahmen erreicht werden und ab 1.1.2019 rückwirkend zum Tragen kommen:

  • Erhöhung der Limitbestimmung/-berechnung der Ordinationspositionen 12 zu 9: Dieses Verhältnis wird von derzeit 70:30 auf 80:20 angehoben. Für die Bewertung werden die bisher umgewandelten Positionen 12 in Positionen 9 des Jahres 2018 herangezogen.
  • Das Limit der ausführlich-therapeutischen Aussprache Position 19 wird für Allgemeinmediziner und Kinderfachärztinnen/-fachärzte von 18 % auf 25 % angehoben.
    Zudem werden für die Berechnung auch die Fälle im Urlaub, bei Krankheit und im Bereitschaftsdienst für die Honorarabrechnung berücksichtigt, was sich insbesondere für die Allgemeinmedizin positiv auswirkt.
  • Der Textteil der Honorarordnung wird ab 1.1.2020 in der Form erweitert, dass die Position 19 auch bei Gesprächen mit Betreuungspersonen und Betreuungsorganisationen abgerechnet werden kann.
  • Der Zuschlag für die Untersuchung von Kindern Position 656 wird für die Allgemeinmedizin und die Kinderheilkunde bereits rückwirkend für 2019 ausgezahlt, aber erst ab 2020 formal geregelt und findet auch bei Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen Anwendung:
    • Erhöhung des Zuschlages für Kinder bis zum vollendeten 2. Lebensjahr von 15 auf 25 Punkte
    • Erhöhung des Zuschlages für Kinder ab dem 2. Geburtstag bis zum vollendeten 6. Lebensjahr auf 20 Punkte
    • Einführung des Zuschlages für Kinder ab dem 6. Geburtstag bis zum vollendeten 10. Lebensjahr mit 15 Punkten
    • Diese Maßnahme wird auf Grundlage der Abrechnungsdaten der abgerechneten Positionen 656 des Jahres 2019 bewertet und wird für 2019 rückwirkend mittels Einmalzahlung ausbezahlt.
    • Ab 2020 stehen dafür neue Leistungspositionen zur Verfügung.

Diese zusätzlichen Verbesserungen führen zu einem Gesamtzuwachs für die Allgemeinmedizin in Höhe von 4,8 % und für die Kinder- und Jugendheilkunde in Höhe von rund 14 %. Insgesamt bedeutet der Abschluss für 2019 eine Honorarsteigerung in Höhe von 3,4 % über alle Fächer und somit eine Gesamthonorarsummensteigerung inklusive Mehrleistungen von 4,35 %. Für die SV der Bauern kommt der gleiche Modus zur Anwendung.

Neuerungen und Änderungen ab 2020

1. Bereits seit Jahren bestehen auf Bundesebene neue Regelungen, denen entsprechend neuen Vertragsärztinnen/-ärzten keine Laborgemeinschaft mehr zur Verfügung steht. Es ist zu erwarten, dass sich diese Entwicklung im Hinblick auf die Fusionierung der Krankenkassen fortsetzt, weshalb die Möglichkeit der Umschichtung von nur delegierbaren Laborgemeinschaftsleistungen aufgegriffen wird. Beginnend mit 1.1.2020 wird eine Reduktion der Punktewerte für Laborgemeinschaften um 50 % vereinbart, da die Umschichtung der freiwerdenden Beträge bezogen auf die jeweiligen Fachgruppen zu 100 % erfolgt und somit kein Honorarvolumen pro Fachgruppe verloren geht. Die neuen Punktewerte für die Laborgemeinschaftsparameter belaufen sich auf EUR 0,0822 für die ersten 17.000 Punkte, auf EUR 0,0535 von 17.001 bis 34.000 Punkten und auf EUR 0,0252 ab 34.001 Punkten.

2. Weiters kommt es zu einer Neuregelung der Position 682 „eingehende psychiatrische Exploration" für Allgemeinmediziner/innen und Kinderfachärztinnen/-fachärzte. Diese Position wird als „kleine psychiatrische Exploration" mit Dokumentation, verrechenbar einmal pro Fall und Quartal neu definiert und ab 1.1.2020 mit 35 Punkten in die Honorarordnung aufgenommen. Die Differenz auf die bisherigen Aufwendungen wird ebenso auf die Zuschläge zur Grundvergütung umgelegt.

3. Neu wird für Fachärztinnen/Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde die Leistungsposition 631 Echokardiographie abrechenbar sein. Die Position 630 Phonokardiogramm hat sich somit überholt und wird zukünftig nicht mehr erforderlich sein.

4. Im Bereich der Wundversorgung stehen ab 2020 folgende neue Positionen zusätzlich zur Verfügung:

  • Reinigung/Wundtoilette einer Wunde, bei Bedarf chirurgische Versorgung nach jeder Methode, pro Sitzung und Region einmal verrechenbar; die Anzahl der Regionen ergibt sich aufgrund der Diagnose, die spezifische Diagnose ist anzuführen. Mit einem Tarif in Höhe von EUR 20,-- verrechenbar; nicht gleichzeitig mit Verbandwechsel.
  • Verbandwechsel (nicht gleichzeitig mit Reinigung/Wundtoilette) mit EUR 6,--; das Anbringen eines Heftpflasters ist nicht verrechenbar.
  • Naht- und/oder Klammerentfernung mit EUR 2,50 pro Sitzung und Region einmal verrechenbar; die Anzahl der Regionen ergibt sich aufgrund der Diagnose, die spezifische Diagnose ist anzuführen.

    Diese Leistungen stehen neben den bisher verfügbaren Grundleistungspositionen zusätzlich für alle Fachgruppen als neue Leistungspositionen zur Verfügung.

    5. Neuregelung der Heimvisiten
    Werden bei einem Krankenbesuch an einem Tag mehrere Patienten in einem Heim behandelt, so kann nur einmal die Position der Visite verrechnet werden, für die übrigen Patienten gebührt das Honorar der Position 12 Ordination. Diese Regelung wird abgeändert und es kommt ab der zweiten Visite eine zusätzliche Honorierung für in Heimen getätigte Visiten in Form eines Besuchszuschlages in Höhe der Position 12 in voller Höhe zum Tragen.

    6. Definition der ärztlichen Behandlung
    Die Definition der ärztlichen Behandlung, wonach die vertragsärztliche Tätigkeit grundsätzlich durch den Vertragsarzt selbst oder seinen ordnungsgemäß bestellten Vertreter auszuüben ist, soll im Hinblick auf die erweiterte Textierung in anderen Bundesländern auch für Niederösterreich ergänzt werden. Es wird vereinbart, diese mit der Leistungsökonomie abzustimmende erweiterte Regelung mittels Brief/Gegenbrief festzuhalten und folglich die Vertragsärzte mittels gemeinsamen Rundschreibens darüber zu informieren.

    7. Bereitschaftsdienst an Wochenenden und Feiertagen
    Beginnend mit 1.7.2019 wurden für den Bereitschaftsdienst an Wochenenden und Feiertagen zeitliche und finanzielle Verbesserungen für Vertragsärztinnen/-ärzte für Allgemeinmedizin zunächst befristet bis zum 31.12.2019 vereinbart. Die mit dem Bereitschaftsdienst in Zusammenhang stehenden Vereinbarungen sollen in unveränderter Form bis zum 30. Juni 2020 verlängert werden.

    8. Aufwertung von Endoskopien
    Im Bereich der Colonoskopien sind die Anforderungen für Struktur- und Prozessqualität in den letzten Jahren gestiegen und verbessert worden. Diese Entwicklung wird im Rahmen dieses Honorarabschluss in der Form berücksichtigt, dass für Polypektomien ein Zuschlag in Höhe von EUR 50,-- beginnend mit 1.1.2020 vergütet wird. Über den dafür erforderlichen Qualitätsnachweis erfolgen noch Detailgespräche zwischen dem Endoskopiereferat und der chefärztlichen Dienststelle der Nö. Gebietskrankenkasse. Zusätzlich werden von der Krankenkasse Reinigungs- und Desinfektionsmittel als Ordinationsbedarf zur Verfügung gestellt.

    Für die Fachärzte für HNO kommt es ebenfalls zu einer Verbesserung ab 1.1.2020, indem das bestehende Limit für die beiden Positionen 398 Nasenendoskopie und 399 Endoskopie des Epipharynx oder Larynx von 40 % auf 45 % der Fälle angehoben wird.

    9. Neue Honorarordnungen für Neurologie und Psychiatrie
    Im Bereich der Neurologie/Psychiatrie wurde in der Zusatzvereinbarung 2017 ein Zeitplan für die Abwicklung der Trennung in Bezug auf Stellenplan, GP-Gesamtvertrag und Honorarordnung vereinbart. Ein Regelwerk zur Zuordnung der neurologischen und psychiatrischen Planstellen im Stellenplan sowie für die Auflösung der gemischten Modelle mit einhergehender Änderung im Gruppenpraxen-Gesamtvertrag wurde bereits umgesetzt. Mit den beiden Fachgruppen haben vorab Detailverhandlungen zur Schaffung einer neuen Honorarordnung für Neurologie (Kennzeichnung „NEU") und einer neuen Honorarordnung für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin (Kennzeichnung „PSY") stattgefunden. Die bestehende gemeinsame Honorarordnung soll weiterhin für jene Ärztinnen/Ärzte zur Auswahl zur Verfügung stehen, die in beiden Fächern zur Berufsausübung berechtigt sind und in keinen der beiden neuen Honorarkataloge wechseln möchten. Bis zum 1.4.2020 sollen sich alle im Vertrag stehenden Vertragsfachärztinnen/-ärzten deklarieren, wobei ein Wechsel im Einzelfall möglich sein soll. Die neuen Kataloge stehen ab 1.4.2020 für die Abrechnung zur Verfügung.
    Die aus den beiden neuen Honorarordnungsabschnitten resultierenden Steigerungen werden bei der Ermittlung des NÖ-Tarifanpassungsfaktors 2020 nicht angerechnet.

    10. Zusammenarbeitsformen
    Auf Grundlage der bestehenden Bestimmungen im allgemeinen Gruppenpraxengesamtvertrag (ausgenommen Radiologie) wird als Gesellschaftsform neben der OG auch die GmbH akzeptiert.
    Zur Projektvereinbarung über die Erweiterte Stellvertretung wird vereinbart, dass ab 1.1.2020 beginnend mit der Abrechnung des ersten Quartals generell keine Abschläge mehr in Ansatz gebracht werden und die Vereinbarung entsprechend abzuändern ist.

    Beschlüsse und Auszahlungstermine

    Vorbehaltlich der ausstehenden Beschlussfassung der Gremien der Sozialversicherung wird für die Nachzahlung der abgerechneten Quartale 2018 ein Termin vor Weihnachten 2019 in Aussicht gestellt. Die Aufrollung für die bereits abgerechneten drei Quartale 2019 erfolgt im Februar 2020 und die Aufrollung für das 4. Quartal nach Fertigstellung der Honorarabrechnung des 4. Quartals.

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