NÖ Ärztinnen und Ärzte protestieren gegen diffamierende Äußerungen der Wiener PA Sigrid Pilz

Die niederösterreichischen ÄrztInnen sind zutiefst empört über die neuerlichen, völlig unqualifizierten Anschuldigungen der Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz.

Sie hat ihre unberechtigten Vorwürfe am Dienstag, dem 17. März 2020, in der Sendung Konkret im ORF erhoben.

Am Tag davor war es den Praxen überfallsartig aufgetragen worden, den Routinebetrieb soweit als möglich zu reduzieren um die Praxen für tatsächlich dringende, behandlungspflichtige Indikationen freizuhalten.

Nachdem die ÄrztInnen Einsicht in die Erfordernisse der Medizin während einer Pandemie besitzen, sind die Praxen daher auch am Montag ziemlich radikal in der Frequenz reduziert worden. Unter anderem auch deshalb, um in einer völlig geänderten Situation mit völlig anderen Hygieneanforderungen usw. mit dem eigenen Team die Räume auf die neue Situation vorzubereiten, Schutzmöglichkeiten soweit als möglich, in Kraft zu setzen, Umbauten vorzunehmen, etc.

Danach wurde, wie gefordert, auf einen Betrieb umgestellt, der im Wesentlichen vorsieht, dass alle PatientInnen nur nach telefonischer Anmeldung und telefonischer Klärung, worum es geht, in den Praxen erscheinen.

Am ersten Tag dieser Situation in der von Pilz gewählten Form die Bevölkerung zu verängstigen, zu verunsichern und ihr übliches Ärzte-Bashing zu betreiben, ist unerhört.

Seit Dienstag, dem 17. März 2020, laufen nun die Praxen annähernd in einem Routinebetrieb unter „Seuchenbedingungen“, denn JEDER Patient kann ein Virusträger sein und ist daher für andere Patienten, das eigene Personal und die Ärzte ein Risiko.

Jedem halbwegs einsichtigen Menschen ist klar, dass Praxen, die insbesondere im Fall von Kassenpraxen am Tag mehrere Dutzend, oft auch 100 – 200 Patientenkontakte haben, jede für sich zu einem weiteren „Ischgl“ im eigenen Bundesland werden würden, wenn die Frequenz nicht dramatisch abgesenkt und auf das allernotwendigste beschränkt würden.

Der Wiener Patientenanwältin fehlt offenbar der Durchblick, diese einfache Schlussfolgerung zu ziehen.

Wie die Zugriffszahlen auf das e-Card-System der Sozialversicherung tagtäglich beweisen, sind mehr als 90 % der Ordinationen geöffnet und führen ihren Regelbetrieb unter erheblicher Absenkung der Frequenzen durch.

Wenn Praxen den Betrieb mit unveränderter oder sogar gesteigerter Frequenz fortführen, ist im Grunde die Frage zu stellen, ob das verantwortbar ist, angesichts der dadurch möglichen (und auch wahrscheinlichen) Virusverbreitung.

Es besteht derzeit eine PANDEMIE, zu deren Bekämpfung es weder Impfung, noch Therapie, noch in ausreichender Menge das erforderliche Material zum Selbstschutz für das medizinische und sonstige Notfallpersonal gibt. Dennoch erbringt das medizinische Notfall – Personal, wozu nun auch die Ärztinnen und Ärzte in den Praxen sowie deren MitarbeiterInnen gehören - trotz hohem persönlichen Risiko ohne Murren seine Aufgaben in vorbildlicher Weise.

Dass sich in einer derartigen Situation die Wiener Patientenanwältin keinen besseren Zeitvertreib weiß, als in einer völlig indiskutablen Art über die ÄrztInnen herzuziehen, erstaunt uns wenig und setzt eine einschlägige Vorgeschichte nahtlos fort und verunsichert und ängstig – völlig ungerechtfertigt – alle österreichischen PatientInnen.

In Zeiten dieser Krise herrscht in allen anderen Bereichen jedoch Zusammenarbeit und ist es sogar möglich, dass parteienübergreifend völlig reibungslos sehr weitreichende Beschlüsse im Parlament gefasst werden, dass auf kurzem Wege mit der Sozialversicherung sinnvolle Abstimmungen und auch Erleichterungen besprochen werden können, und dass auch die Bevölkerung alle Maßnahmen bisher einsichtig und willig mitträgt.

Es sei zuletzt noch darauf hingewiesen, dass ein Bruchteil der Ordinationen tatsächlich geschlossen ist, in aller Regel, weil die ÄrztInnen und MitarbeiterInnen dieser Ordinationen selbst unter Quarantäne stehen, nachdem sie vorher in Kontakt mit PatientInnen standen, die einen Virus in sich trugen. Vereinzelt sind auch Ordinationen mancher ÄrztInnen geschlossen, die aufgrund von Alter und Vorerkrankungen selbst sehr eindeutig den Risikogruppen zuzuzählen sind.

Die niederösterreichischen ÄrztInnen versichern ihren PatientInnen, für alle dringlichen und unaufschiebbaren Anliegen in medizinischer Hinsicht weiterhin in vollem Umfang bereit zu stehen. Allerdings muss derzeit die Beurteilung, ob etwas „dringlich“ ist auf Basis einer medizinischen Einschätzung unter Seuchenbedingungen (Triage) erfolgen und nicht auf Basis des subjektiven Empfindens der PatientInnen.

Gleichzeitig dürfen wir daher um Verständnis ersuchen, dass wir gezwungen sind, den Zustrom zu den Ordinationen möglichst gering zu halten, um nicht zum Verteilerzentrum zusätzlicher Ansteckungen zu werden und auch um längere Zeit diesen Zustand „durchzuhalten“. Das geht nur, indem wir unsere Teams verkleinern und einen Teil der Mitarbeiter „als Reserve“ zu Hause lassen, damit die Ordinationen nach Viruskontakt nicht stillgelegt werden müssen, sondern mit einem nicht kontaminierten „Ersatzteam“ weiterhin geöffnet bleiben können. Denn wenn binnen einer Woche sämtliche Praxen durch Kontakt mit Virusträgern kontaminiert und infolge behördlich geschlossen werden müssen ist auch niemandem geholfen.

Und der lieben Frau Pilz richten wir gerne einen Rat im Sinne der Gesundheit der ÖsterreicherInnen aus: „Stay at home, it could save lives“.

Und ganz generell schadet es nicht, wenn man ein bisserl nachdenkt, bevor man sich öffentlich äußert...

 

Unterfertigt von:

Fachgruppenvorsitzende

Allgemeinchirurgie und Gefäßchirurgie: Prim. Dr. Klaus Dittrich
Allgemeinmedizin: Dr. Max Wudy
Augenheilkunde und Optometrie: Dr. Peter Gorka
Frauenheilkunde und Geburtshilfe: Dr. Doris Linsberger
Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde: Dr. Alexander Nahler
Haut- und Geschlechtskrankheiten: Dr. Krista Ainedter-Samide
Innere Medizin: Dr. Lothar Fiedler
Kinder- und Jugendheilkunde: Dr. Robert Weinzettel
Lungenkrankheiten: Dr. Peter Hesse
Neurologie: Dr. Barbara Sturm
Orthopädie und orthop. Chirurgie: Dr. Andreas Stippler
Physikalische Medizin: Prim. Dr. Eva Maria Uher
Psychiatrie: Dr. Jens Mersch
Radiologie: Doz. Dr. Franz Frühwald
Urologie: Prof. Dr. Michael Eisenmenger
Unfallchirurgie: Dr. Richard Maier
Zahnheilkunde: DDr. Hannes Gruber

Funktionäre

Präsident: Dr. Christoph Reisner, MSc (Orthopäde)
Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte: Dr. Dietmar Baumgartner (Kinderarzt)
Kurienobmann stv. ngÄ: Dr. Max Wudy (Allgemeinmedizin)
Kurienobmann stv. ngÄ: Dr. Richard Maier (Unfallchirurg)

Präsident der NÖ Zahnärztekammer: DDr. Hannes Gruber

 

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