Grippeimpfung: „Wir stehen mit leeren Händen vor impfwilligen Patienten“

Presseinformation vom 21. Oktober 2026

Ärztinnen- und Ärztekammer für Niederösterreich: Der Standardimpfstoff fehlt, die zugelassene Alternative liegt im Kühlschrank – doch für 50- bis 59-Jährige wird sie im kostenlosen Impfprogramm nicht freigegeben. Bei nur rund zehn Prozent Impfbereitschaft warnt Kurienobfrau Dr. Dagmar Fedra-Machacek davor, ausgerechnet jene zu verlieren, die sich schützen wollen. 

„Nur rund zehn Prozent der Bevölkerung sind nach unseren Daten und den Erfahrungen aus den Ordinationen bereit, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Wenn diese Menschen jetzt zu uns kommen und wir sie wegen des fehlenden Impfstoffs frustriert und ungeimpft wieder nach Hause schicken müssen, ist das für sie schwer nachvollziehbar. Wir müssen sicherstellen, dass aus der Bereitschaft zur Impfung auch eine Impfung wird. Dazu müssen ÖGK und Gesundheitsministerin alle Hebel in Bewegung setzen – und genau das geschieht derzeit nicht“, sagt Dr. Dagmar Fedra-Machacek, allgemeinmedizinische Kassenärztin und Niederösterreichs Kurienobfrau.

Selbst wenn der Standardimpfstoff in den nächsten Tagen in Österreich eintrifft, muss er erst in die Ordinationen verteilt werden. Die seit Anfang Oktober überfälligen Impfungen verzögern sich damit weiter – während die Grippewelle näher rückt.

Ab 50 zugelassen, erst ab 60 kostenlos: Impfstoff da, Zugang verwehrt

Für die 50- bis 59-Jährigen ist die Situation besonders absurd: Der bestellte Standardimpfstoff Influvac tri fehlt wegen Lieferschwierigkeiten. Die für sie zugelassene Alternative Fluad liegt in den Kühlschränken der meisten Ordinationen – darf im öffentlichen Impfprogramm aber grundsätzlich erst ab 60 Jahren kostenlos verimpft werden. Nur für Menschen mit schwerer Immunsuppression gilt eine Ausnahme. Der Impfstoff wäre da, die Menschen wären bereit – doch die Altersgrenze im Impfprogramm verhindert die kostenlose Impfung.

„Eine gesunde 55-jährige Patientin möchte sich in meiner Ordination impfen lassen. Wir müssen ihr sagen: Der bestellte Impfstoff ist leider noch nicht da. Den Impfstoff im Kühlschrank, der ab 50 Jahren zugelassen ist, darf ich ihr im kostenlosen Impfprogramm leider nicht geben, weil er dort erst ab 60 gratis zur Verfügung steht. Das versteht niemand. Wer heute unverrichteter Dinge nach Hause geht, kommt vielleicht kein zweites Mal“, so Fedra-Machacek.

Vorhandene Möglichkeiten nutzen, Vertrauen erhalten

Fedra-Machacek fordert eine rasche Öffnung von Fluad im kostenlosen Impfprogramm für die 50- bis 59-Jährigen, soweit die verfügbaren Mengen dies zulassen. Die Versorgung älterer und besonders gefährdeter Menschen muss dabei gesichert bleiben. Gleichzeitig muss umgehend geklärt werden, ob zusätzliche Dosen beschafft werden können.

„Das wäre zwar eine neue Maßnahme, die aber aufgrund der sich frühzeitig ankündigenden Grippewelle absolut zulässig und notwendig wäre“, sagt Dr. Michael Sokol, Leiter des Impfreferats der ÄKNÖ. Fedra-Machacek ergänzt: „Wir können nicht ständig zum Impfen aufrufen und dann Menschen vertrösten, die unserem Aufruf folgen. Jede Impfung, die wir jetzt ermöglichen können, zählt. Jeder Patient, der sich impfen lassen möchte, braucht ein verlässliches Impfangebot und eine klare Auskunft, wann das möglich ist.“

„Wir haben den bestellten Impfstoff einfach noch nicht“ 

„Für uns Ärztinnen und Ärzte ist es frustrierend, wieder als Lückenbüßer herhalten zu müssen. Wir stehen den Patienten und Patientinnen gegenüber und bekommen ihren berechtigten Ärger ab, obwohl wir die Situation weder verschuldet haben noch selbst lösen können. Gesundheitsministerium und Sozialversicherung müssen die Bevölkerung klar informieren und rasch für eine Lösung sorgen.“

Die Ärztinnen- und Ärztekammer NÖ bittet die Bevölkerung um Verständnis: Die Ordinationen sind bereit, aber der bestellte Standardimpfstoff fehlt noch. Deshalb müssen Impftermine verschoben oder können derzeit keine neuen angeboten werden. 

Welche Grippeimpfungen derzeit möglich sind

Das aktuelle Impfangebot im öffentlichen Impfprogramm unterscheidet nach Alter und Personengruppe:

  • Kinder und Jugendliche von 2 bis unter 18 Jahren: Der Nasenspray-Impfstoff Fluenz ist verfügbar.
  • Menschen ab 60 Jahren: Der Impfstoff Fluad ist verfügbar. Unter 60 Jahren ist er im Programm derzeit nur bei schwerer Immunsuppression vorgesehen.
  • Kleinkinder von 6 bis 24 Monaten und Schwangere: Für diese und weitere besonders zu schützende Personengruppen wurden 100.000 Dosen Flucelvax für das öffentliche Impfprogramm gesichert. Ein Großteil davon soll voraussichtlich bis Ende Oktober bei Kinderärztinnen und -ärzten sowie Gynäkologinnen und Gynäkologen eintreffen. In Abstimmung mit dem Land konnte eine kleinere Menge auch an niederösterreichische Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner verteilt werden.
  • Alle übrigen Erwachsenen zwischen 18 und 59 Jahren: Der bestellte Standardimpfstoff Influvac tri soll demnächst eintreffen. Ein Termin für die Auslieferung an die Ordinationen steht noch aus.

Patientinnen und Patienten werden gebeten, vor einem Impftermin mit ihrer Ordination abzuklären, ob ein für sie geeigneter Impfstoff verfügbar ist.


Rückfragehinweis
Ärztinnen- und Ärztekammer für Niederösterreich
Presse, PR & Kommunikation
Mag. Birgit Jung
Tel. +43 1 53751 623, +43 676 848457 323
DI Gudrun Stöger
Tel. +43 1 53751 638, +43 676 848457 105
presse(at)arztnoe.at, www.arztnoe.at 

Wien, 21. Oktober 2026